22 lösungsorientierte Fragen für Gespräche mit deinem Team im Praxisalltag

 
 
Cover für Blogartikel "22 lösungsorientierte Fragen für Gespräche mit deinem Team im Praxisalltag" von Ina Kimmel im THERAPIEPAUSE-Blog
 

Lösungsorientierte Fragen machen Gespräche mit deinem Team in deiner Praxis für Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie spürbar leichter.

Sie laden dein Gegenüber zum eigenen Denken ein, statt ihm eine fertige Antwort zu geben. Statt „Mach es so" fragst du „Was hast du selbst schon überlegt?".

In diesem Artikel findest du 22 solcher Fragen, sortiert nach Situation: drei Fragen für den bewussten Moment vor deiner Antwort, zehn Fragen für typische Situationen im Praxisalltag und neun Fragen für dein Toolkit, wenn du Perspektivwechsel, Eigenverantwortung oder Prioritäten fördern möchtest.

 

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    Der Rahmen dafür ist eine einfache 3-Stufen-Methode: Reflex bemerken, bewusst pausieren, gezielt fragen. Du brauchst dafür kein zusätzliches Gesprächsformat und keine neue Struktur in deiner Praxis. Es reicht, wenn du beim nächsten Mal eine Frage stellst, bevor du eine Antwort gibst.

    Und ja, das fühlt sich am Anfang langsamer an. Langfristig ist es aber genau der Hebel, der dich als Praxisinhaber*in entlastet. Denn Verantwortung, die dein Team selbst mitdenkt, landet nicht wieder auf deinem Schreibtisch.

     

    Warum du als Praxisinhaber*in in der Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie so schnell im Lösungsmodus bist

    Der Lösungsreflex entsteht aus Erfahrung, Verantwortungsgefühl und Zeitdruck. Er ist kein Fehler, sondern eine logische Folge davon, dass du deine Therapiepraxis wirklich gut kennst.

    Kommt dir das bekannt vor? Eine Kollegin kommt zu dir: „Lisa hat sich gerade krank gemeldet. Was machen wir mit ihren Terminen" Zack. Sofort schießt dir eine Lösung durch den Kopf. Du weißt genau:

    • Anna könnte die Vormittagstermine mit übernehmen

    • Die Doppelbehandlung am Nachmittag lässt sich auf morgen verschieben

    • Der Neupatient passt notfalls bei dir selbst noch rein

    Du antwortest in 30 Sekunden. Problem gelöst. Und trotzdem ist genau das der Moment, in dem du deinem Team eine Entwicklungschance wegnimmst.

    Wenn ich mit Praxisinhaber*innen arbeite, höre ich das immer wieder: „Ich springe sofort in den Lösungsmodus. Kaum sagt jemand “Ich habe ein Problem”, rattert mein Kopf schon los."


    Stell dir vor: Du sitzt in deinem Büro und rechnest ab. Die Tür geht auf, eine Mitarbeiterin kommt rein: „Ich weiß nicht weiter…" Binnen drei Sekunden bist du im Analysemodus. Du hörst das Problem, erkennst das Muster („Ach, das hatten wir schon mal") und deine 15 Jahre Erfahrung in der Heilmittelpraxis liefern dir sofort zwei bis drei Lösungen.


    Das ist total verständlich. Du willst, dass es in deiner Praxis läuft, dass sich dein Team wohlfühlt, dass die Patient*innen gut versorgt sind und dass nichts unnötig kompliziert wird.


    Das Problem ist nur: Wenn du es immer machst, bleibt die Verantwortung bei dir hängen. Dein Team entwickelt sich nicht weiter. Und du wirst zur Dauer-Anlaufstelle für jedes kleine Thema. Lösungsorientierte Kommunikation setzt genau hier an.

     

    Lösungsorientierte Kommunikation: Die 3-Stufen-Methode für Gespräche mit deinem Team

    Die Methode hat drei Stufen: Du erkennst deinen Reflex, du pausierst bewusst und du stellst eine lösungsorientierte Frage. Jede Stufe dauert nur wenige Sekunden und lässt sich direkt im Alltag deiner Therapiepraxis anwenden.

     

    Stufe 1: Erkenne deinen Lösungsreflex im Gespräch mit deinem Team

    Der erste Schritt ist Selbstbeobachtung. Wenn jemand mit einem Problem zu dir kommt, achte darauf, wie schnell du denkst: „Ach, das ist doch ganz einfach…" Probiere dieses innere Signal aus: „Ah, interessant. Da will ich gerade sofort eine Lösung vorschlagen. Moment mal…" Du musst den Reflex nicht unterdrücken. Du bemerkst ihn nur bewusst. Das allein verändert schon, was als Nächstes passiert.

     

    Stufe 2: Pausiere bewusst, bevor du deiner Mitarbeiterin antwortest

    Das ist der schwierigste Teil: nicht sofort antworten. Du hältst einen Moment aus, in dem der Raum offen bleibt, statt ihn gleich mit deinen Lösungen zu füllen.
    Diese drei Sätze helfen dir dabei:

    • „Lass mich kurz überlegen. Was hast du selbst schon durchdacht?"

    • „Was wäre denn dein erster Impuls?"

    • „Bevor ich etwas sage: Was glaubst du, könnte ein nächster Schritt sein?"


    Das ist keine rhetorische Spielerei. Du signalisierst damit: Ich traue dir zu, mitzudenken. Ich bin da, aber ich nehme dir nicht alles ab.

     

    Stufe 3: Stelle gezielte lösungsorientierte Fragen

    Jetzt wird es konkret. In den folgenden drei Situationen aus dem Alltag einer Inhaberin in der Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie findest du jeweils die Fragen, die den Unterschied machen. Darunter kommt dein Fragen-Toolkit für alles, was sonst noch in der Praxis auftaucht.

     

    Situation 1: Therapieausfall

    Deine Mitarbeiterin sagt: „Frau Müller hat ihre Termine für die nächsten zwei Wochen abgesagt. Was machen wir mit den Lücken im Plan?" Dein Kopf rattert sofort: Die Warteliste können wir durchgehen, der kleine Lukas kann als Springer 2x pro Woche kommen und die Zeit nutzen wir für liegen gebliebene Dokumentation.

    Du fragst stattdessen:

    • „Was hast du schon überlegt?"

    • „Welche Idee hast du, wie wir die Lücke sinnvoll füllen?"

    • „Wen von der Warteliste würdest du zuerst ansprechen?"

    Was passiert: Sie denkt mit, entwickelt eigene Lösungen und übernimmt Verantwortung für die Umsetzung.

     

    Situation 2: Unsicherheit im Elterngespräch

    „Ich hatte vorhin wieder eine Mutter, die sehr fordernd war. Ich wusste gar nicht, wie ich reagieren soll…" Dein Kopf will sofort: „Bei solchen Eltern musst du klare Grenzen ziehen. Du sagst einfach: Herr Kloß, ich verstehe Sie, aber…"


    Du fragst stattdessen:

    • „Was genau hat dich überfordert?"

    • „Wann hast du dich in Elterngesprächen sicher gefühlt?"

    • „Was wäre dir wichtig für das nächste Gespräch mit ihr?"


    Was passiert: Sie reflektiert selbst, entwickelt ihre professionelle Haltung und wird sicherer im Umgang.

     

    Situation 3: Kommunikationsproblem im Team deiner Therapiepraxis

    „Anna hat heute morgen schon wieder mein Material aus dem Raum geholt, obwohl ich ihr gesagt hatte, dass ich es dringend brauche. Ich weiß nicht, wie ich das ansprechen soll. Das nervt mich total…" Dein Kopf will sofort: „Du gehst zu ihr und sagst…"


    Stattdessen fragst du:

    • „Was genau stört dich?"

    • „Was bräuchtest du, um das anzusprechen?"

    • „Wie könnte ein erster Satz lauten?"

    • „Was glaubst du, was passieren würde, wenn du es offen ansprichst?"


    Was passiert: Sie klärt für sich, was sie will, traut sich den direkten Weg zu und löst den Konflikt selbst.

     

    Dein Fragen-Toolkit für lösungsorientierte Kommunikation im Praxisalltag

    Diese Fragen kannst du in fast jedem Mitarbeitergespräch einsetzen, je nachdem, worum es gerade geht.

     

    Wenn du den Perspektivwechsel fördern willst:

    • „Was würde XY z.B. eine Kollegin,… dazu sagen?”

    • „Was würde dir dein Zukunfts-Ich raten?"

    • „Wie siehst du das aus Patientensicht?"

     

    Wenn du Eigenverantwortung stärken willst:

    • „Was ist dein nächster kleiner Schritt?"

    • „Was liegt in deinem Einflussbereich?"

    • „Was könntest du heute noch tun?"

     

    Wenn du Prioritäten klären willst:

    • „Worum geht's dir hier am meisten?"

    • „Was ist dein übergeordnetes Ziel?"

    • „Was wäre am wichtigsten zu klären?"

     

    Was lösungsorientierte Fragen in deiner Therapiepraxis verändern

    Wenn du anfängst, mehr zu fragen statt zu antworten, verändert sich die Kommunikation mit deinem Team grundlegend. Dein Team übernimmt mehr Verantwortung und kommt nicht nur mit Problemen, sondern auch mit ersten Lösungsideen.


    Das entlastest dich als Praxisinhaber*in: weniger Unterbrechungen, weniger „Chef*in für alles"-Momente. Die Gespräche mit deinem Team werden effektiver, weil sie sich von „Ich hab ein Problem" zu „Ich hab eine Idee, was meinst du?" entwickeln.


    Und deine Mitarbeiter*innen wachsen. Sie entwickeln eigene Problemlösungskompetenz und werden selbstständiger. Das heißt nicht, dass du weniger führst. Du kommunizierst bewusster und auf Augenhöhe, mit einer Praxisführung, die auf Vertrauen basiert.

     

    Du willst tiefer einsteigen? Im THERAPIEPAUSE-Podcast in Folge 37 "Lösungsorientierte Kommunikation" erzähle ich dir, wie du dein Team dabei unterstützt, eigene Lösungen zu finden, ohne alles selbst vorzugeben. Hör gerne rein!

     
     

    Mini-Coaching: 4 Reflexionsfragen für deine lösungsorientierte Kommunikation

    Damit du lösungsorientierte Kommunikation in deinen Praxisalltag integrierst, frag dich einmal selbst:

    • In welchen Situationen bin ich besonders schnell mit Lösungen zur Stelle? (Zeitdruck? Bestimmte Mitarbeiter*innen? Wiederkehrende Probleme?)

    • Was treibt mich da: Verantwortung, Zeitdruck, Kontrolle?

    • Was könnte ich beim nächsten Mal stattdessen fragen?

    • In welcher Situation will ich es diese Woche ausprobieren?

     

    FAQ: Lösungsorientierte Fragen für Gespräche mit deinem Team in der Praxis für Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie

    Hier findest du Antworten auf typische Fragen rund um lösungsorientierte Kommunikation im Praxisalltag.

     

    Was sind lösungsorientierte Fragen?

    Lösungsorientierte Fragen richten den Blick auf Ressourcen, nächste Schritte und eigene Ideen, statt auf die Analyse des Problems. Sie beginnen häufig mit „Was" oder „Wie" und laden dein Gegenüber ein, selbst eine Antwort zu entwickeln. In Gesprächen mit deinem Team sorgen sie dafür, dass Verantwortung dort bleibt, wo die Umsetzung stattfindet.

     

    Wie stelle ich lösungsorientierte Fragen gegenüber meinen Mitarbeitenden?

    Bemerke zuerst deinen eigenen Lösungsreflex und pausiere bewusst, bevor du antwortest. Stelle dann eine offene Frage, zum Beispiel „Was hast du schon überlegt?" oder „Was wäre dein erster kleiner Schritt?". Wichtig ist, die Antwort wirklich abzuwarten, auch wenn es einen Moment still wird.

     

    Was ist der Unterschied zwischen lösungsorientierter und problemorientierter Kommunikation?

    Problemorientierte Kommunikation fragt danach, warum etwas nicht funktioniert und wer dafür verantwortlich ist. Lösungsorientierte Kommunikation fragt danach, was stattdessen gelingen soll und welcher Schritt dafür als Nächstes möglich ist. Beides hat seinen Platz, im Alltag einer Heilmittelpraxis bringt euch der zweite Blick aber meist schneller weiter.

     

    Funktioniert das auch, wenn es in der Praxis schnell gehen muss?

    Nicht in jeder Situation. Wenn ein Notfall ansteht oder eine Entscheidung sofort fallen muss, darfst du selbstverständlich klar ansagen, was passiert. Lösungsorientierte Fragen lohnen sich vor allem bei wiederkehrenden Themen, bei denen dein Team langfristig sicherer werden soll.

     

    Was mache ich, wenn mein Team sagt „Aber du weißt das doch besser"?

    Diese Reaktion ist am Anfang normal, weil dein Team es gewohnt ist, Antworten von dir zu bekommen. Du kannst das offen benennen: „Stimmt, ich habe da eine Idee. Ich möchte aber zuerst hören, wie du es sehen würdest." Nach einigen Wochen verändert sich das Muster meist von selbst.

     

    Vielleicht denkst du gerade: „Ja, genau das ist bei uns das Problem. Am Ende mache ich es doch wieder selbst." Wenn du dir wünschst, dass Verantwortung in deiner Praxis auf mehreren Schultern verteilt wird und du das nicht allein entwickeln möchtest, können wir uns das gemeinsam anschauen. In meinem 1:1 Coaching unterstütze ich Praxisinhaber*innen aus Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie dabei, Kommunikations- und Führungsstrukturen zu entwickeln, die im echten Praxisalltag funktionieren. Dabei bringe ich meine Erfahrung aus zehn Jahren als Praxisinhaberin und sieben Jahren als Coach und Organisationsentwicklerin für Therapiepraxen mit.

    → Hier geht es zu meinem 1:1 Coaching

     

    Probiere es diese Woche einfach mal aus: Wenn jemand aus deinem Team mit einem Problem kommt, halte kurz inne und stell eine Frage, statt sofort eine Antwort zu geben. Du wirst überrascht sein, wie viele gute Ideen dein Team hat, wenn du ihnen den Raum dafür gibst.

    Und jetzt: Viel Freude beim Ausprobieren!

    Deine Ina

     

     

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    Portrait von Ina Kimmel, Gründerin und Inhaberin von THERAPIEPAUSE. Sie sitzt vor einem lilafarbenen Hintergrund, trägt einen bunt gestreiften Jumpsuit und lächelt in die Kamera.

    Hey, ich bin Ina!

    Ich war selbst 10 Jahre lang Inhaberin einer Logopädie-Praxis. Ich weiß, wie es sich anfühlt, zwischen Therapie, Teamführung und Bürokratie zu jonglieren und abends zu denken: "Puh, what a ride, diese Praxisführung!"

    Seit 2019 begleite ich als systemischer Coach und systemische Organisationsentwicklerin Praxisinhaber*innen dabei, ihre Praxis mit Klarheit und gesunden Strukturen zu führen. Im THERAPIEPAUSE-Blog teile ich Ideen und Inspiration mit dir, damit auch du deine Praxis gesund führen kannst.

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